Vorgestern war ich zum ersten Mal im am Alexanderplatz pokern. Das Casino liegt direkt gegenüber vom Fernsehturm, im Park Inn Hotel, 37ter Stock. Dafür, dass man mit dem Aufzug keine halbe Minute bis nach oben braucht ist die Aussicht aus ca. 130m Höhe ziemlich beeindruckend.
Reserviert hatte ich für 5/10 limit (min. buy-in ist 100€), vor Ort musste ich aber feststellen, dass sich gerade mal fünf Gäste zum pokern verirrt hatten. Anscheinend ist es noch nicht so richtig bekannt, dass man nun auch am Alex pokern kann und nicht mehr nur in der Spielbank am Potsdamer Platz. Six-handed einigte man sich also auf pot-limit 5/5 Blinds, so gar nicht meine Disziplin und mit einem minimum buy-in von 300 Tacken auch ziemlich gefährlich - aber was soll man schon tun? Nach Hause fahren ohne den Pokerdurst zu stillen? Also hab ich mich als small stack an den Tisch gesetzt und das Häckchen bei “Fold to any bet” angemacht. Zwar ließ der Dealer mit sich reden und so saß ich nur mit 150 am Tisch, dadurch war ich aber der super-small Stack.. Mit am Tisch war noch mit Nico ein weiterer small-stack, ein Big Stack mit 1300 vor sich und ein typisch-looser Geschäftsman mit seiner Freundin, beide mit 500.. Als letzter gesellte sich ein Asiate mit Sonnenbrille zu uns, der weder Englisch noch Deutsch verstand und bis zum Schluss auch nicht verstanden hatte, dass man die Blinds nicht in jeder Runde setzen muss.
Die erste Sunde verbrachte ich ausschließlich mit zugucken, was dort aber kein bisschen langweilig ist: Der normale Pot am Showdown lag bei etwa 500€, und bis auf den Asiaten (der vom Pokern genauso viel verstanden hatte wie von Deutsch oder Englisch) zeigten auch alle gute Pokerskills. Relativ schnell wurde mein weak-tightes Spiel durchschaut und entweder auf dem Flop in mich reingebettet oder gegen mein Einsatz gefoldet. Wer also glaubt, dass er im Casino mit Leichtigkeit mit einem kleinen Buy-in reiche Idioten abzocken kann, der irrt. (Ich musste mir also einen neuen Plan überlegen
)
Nachdem ich 50€ mit einem loose pre-flop call und middle pair verschwendet hatte machte ich noch weiter zu und beschränkte mich ausschließlich auf premium hands (AJ preflop weg, A7 auf 762 flop gegen Bet folden usw) und kam nach einmal QQ und einmal AK (preflop-check, Axx-flop wo ich ein check-raise spiele) wieder leicht ins plus. Dann konnte ich durch viel Gerede und Palaver auch wieder soweit von meinem weak-tight-Image weg kommen, dass ich im BB dann auch mit K3 bei 337 flop auf dem River noch ausbezahlt wurde. Mein Eindruck ist auch, dass man mit viel reden und interaktion am Tisch besser ausbezahlt wird, als wenn man mit ipod und stonefaced in der Ecke sitzt und die ganze Zeit den Mund nicht aufkriegt. Außerdem geht die Zeit schneller rum. Jedenfalls bekam ich dadurch mindestens einmal einen Showdown-Call mit high card K (”Jetzt will ich auch einfach mal sehen was du hast”)
Am Ende lag ich knapp im Plus, konnte aber meine live-poker-skills deutlich steigern und war sehr zufrieden mit mir. Der Asiate hatte sich als Bürgermeister einer mogolischen Kleinstadt herausgestellt (letzendlich konnte man sich mit russisch verständigen) und es bleibt zu hoffen, das dort nun nicht die Steuern erhöht werden, schließlich sorgte er allein dafür, dass am Ende alle anderen Spieler im Plus landeten.
Wer mit dem Gedanken spielt auch mal am Alex zu pokern, dem kann ich nur empfehlen dort vorher anzurufen. Vergangene Woche wurde mir telefonisch bestätigt, dass dort Pot-Limit und Split-Limit angeboten wird, inzwischen wird laut Homepage vorallem No Limit gespielt.. Ich werde auf jeden Fall nochmal hin wenn dort die Nachfrage nach Cashgame mit kleinem Buy-in steigt, für Berliner, die ihr Geld nicht in die Spielbank am Postdamer Platz tragen wollen beibt ja sonst nur Potsdam.
Immer schön mit dem Strom schwimmen,
muppl